Keine Speicherverwaltung ohne ILM
Das «digitale Universum» expandiert quantitativ und ändert sich gleichzeitig qualitativ. Ein durchgängiges Information Lifecycle Management (ILM) ist deshalb für die sichere, kosteneffiziente und energiesparende Datenhaltung unverzichtbar.
Von: Beat HochuliBei der Lektüre der vom US-Marktforschungsunternehmen IDC publizierten Studie «The Expanding Digital Universe» könnte einem schwindlig werden. Die weltweit angehäuften Datenberge haben bereits jetzt buchstäblich unvorstellbare Ausmasse angenommen – und das ist erst der Anfang. 2007 kumulierten sie sich zu einem globalen Volumen von sage und schreibe 281 Exabytes oder 281 Milliarden Gigabytes. Allein in der Schweiz schwoll die Datenlawine im vergangenen Jahr auf 2,88 Exabytes an. 2011 soll sie hierzulande gemäss IDC auf 18 Exabytes anwachsen. Das entspricht etwa 580 Tonnen Büchern pro Einwohner. Rund 70 Prozent der weltweiten digitalen Informationen werden zwar von Einzelpersonen in der Freizeit und am Arbeitsplatz generiert – in der einen oder anderen Form sind schlussendlich aber die Unternehmen für 85 Prozent dieses Datenbergs verantwortlich und entsprechend haftbar.
Unternehmen setzen ILM noch zu wenig um
Und auch in der Geschäftswelt selber fallen immer mehr sogenannte «unstrukturierte» Daten in Gestalt von Grafik-, Video- und Audio-Dateien an – genau diejenigen Inhalte also, die extrem viel Speicher fressen. Da diese Daten durch den forcierten Einsatz der entsprechenden Geräte in der Arbeitswelt zusehends an Business-Relevanz gewinnen, müssen sie professionell verwaltet werden. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer – zumindest einer: Gemäss IDC werden heute – zu einem Zeitpunkt also, in dem der grösste Teil der geschäftskritischen digitalen Inhalte immer noch aus „traditionellen“ Text- und Tabellen- und Schablonen-Dateien besteht – bloss 10 bis 15 Prozent der Informationen nach den Kriterien eines zukunftsgerichteten Information Lifecycle Managements (ILM) kategorisiert und verwaltet. Das ist bedenklich, denn viel Zeit bleibt den Unternehmen nicht mehr, um sich den Erfordernissen eines beschleunigt expandierenden digitalen Universums anzupassen. Und diese Erfordernisse sind einerseits aufgrund der rasanten Verbreitung von Grafik-, Video- und Audio-Technologien in der Geschäftswelt und andererseits angesichts der immer vielfältigeren Online-Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Partnern nicht nur quantitativer Natur. Das digitale Universum dehnt sich nicht nur aus, es verändert sich auch.
Mit anderen Worten: Die Anforderungen an die Haltung, Verwaltung, Verfügbarkeit, Sicherheit und den Schutz all dieser Informationen sind schon hoch und werden zusehends höher. Kein Unternehmen kann es sich heutzutage noch leisten, unsorgfältig und unökonomisch mit seinen Daten umzugehen. Allein mit zusätzlicher Speicherkpazität ist den Herausforderungen, welche die neue Qualität der digitalen Welt in den kommenden Jahren darstellt, nicht beizukommen. Ein umfassendes Content-Management im Rahmen eines ILM ist deshalb ein Muss – nicht nur für Grossfirmen, sondern auch immer mehr für KMU. Gemäss IDC entstehen einem Unternehmen, das 1000 sogenannte Knowledge Workers oder «Wissensarbeiter» beschäftigt, jährliche Zusatzkosten in der Höhe von 5,7 Millionen Dollar allein durch den Zeitaufwand, der für die Umformatierung von Dateien notwendig ist, damit diese von verschiedenen Applikationen «verstanden» werden. Beinahe ebenso teuer, nämlich 5,3 Millionen Dollar pro Jahr, kommen dasselbe Unternehmen «verlorene» Informationen zu stehen – das heisst digitale Daten, die zwar irgendwo gespeichert sind, die aber nicht mehr gefunden werden können. Diese elf Millionen Dollar ergäben eine solide Grundinvestition für die konsequente Inangriffnahme eines ILM-Projekts.
Auf der abstrakten Ebene ist das ILM-Konzept einfach. Digitalen Informationen wird ein Wert zugeschrieben, der sich nach festgelegten Zeitspannen ändert, so dass die Dateien jeweils am richtigen Ort auf die effizienteste Art und Weise gespeichert und abrufbar sind – bis sie am Ende ihres Lebenszyklus gelöscht werden können. Auf der konkreten Ebene muss ein Unternehmen bei der Datenbewertung zwei Probleme lösen: Zum einen ist jeder Mitarbeiter in der Regel überzeugt davon, dass seine Informationen zu den wichtigsten zählen. Andererseits können Daten, die heute als „wertlos“ eingestuft werden, morgen unschätzbare Bedeutung erlangen, wenn der Rechnungsprüfer oder der Anwalt sie plötzlich braucht – Stichwort Compliance. Erste Priorität beim Aufbau eines ILM-Systems kommt deshalb dem möglichst schnellen Zugriff auch auf Daten zu, die vorerst als «irrelevant» angesehen werden. ILM-Tools, das heisst diejenigen Komponenten, die für ein erfolgreiches ILM notwendig sind, umfassen sowohl Software als auch Hardware – und nicht zuletzt Beratungs-Dienstleister, die einem Unternehmen aufgrund von Best Practices bei der Erstellung einer Informations-Werteskala und bei der Speicherverwaltung gemäss dieser ILM-Werteklassen zur Seite stehen.
ILM auf der Grundlage aktueller Techniken
Der aktuelle Stand der Technik sowie die jüngsten Entwicklungen in der Datensicherung und Speicherverwaltung erlauben es bereits heute, den negativen Effekten der unaufhaltsamen Informationsexplosion vorzubeugen. Auf der einen Seite garantiert die durchgängige Virtualisierung der IT-Infastruktur vom Serverpark und der Desktopflotte über das SAN (Storage Area Network) mit Block Storage Virtualization bis hin zu NAS-Servern (Network Attached Storage) mit Datei-Speicher-Virtualisierung eine optimale Auslastung der Ressourcen. Dadurch wird die Anzahl Infrastrukturkomponenten (Server, Speichersysteme etc.) teils drastisch reduziert. Auf der anderen Seite stellt die gleichzeitige Konsolidierung der Informationsinfrastruktur und die Etablierung einer so genannten Tiered-Storage-Architektur sicher, dass alle Daten punkto Aktualität und Verfügbarkeit jeweils in der richtigen Schicht, das heisst auf dem jeweils adäquaten Medium gespeichert sind. Mit Virtualisierung und einer intelligenten Konsolidierung lassen sich also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits werden durch die bessere Auslastung der Ressourcen direkt Kosten reduziert und anderseits zusätzlich Energie eingespart. Green IT ist also nicht nur ein Schlagwort, sondern mittels Virtualisierung und Konsolidierung tatsächlich umsetzbar.
Energie, Platz und damit Kosten sparen lässt sich in diesem Zusammenhang auch mit einer möglichst weitgehenden Standardisierung und Vereinfachung der Rechner-, Speicher- und Software-Assets auf der Basis von ITIL (IT Infrastructure Library) und den Rahmenwerken der Storage Network Industry Association (SNIA). Letztere will mit ihrer XAM-Initiative (eXtensible Access Method) dem Wildwuchs bei den unterschiedlichen Archivierungsmedien und -formaten begegnen. Mittels einer Standardschnittstelle und Metadaten sorgt XAM dafür, dass alle XAM-kompatiblen Archivierungsapplikationen mit allen XAM-basierten Speichersystemen zusammenarbeiten können. Dies ermöglicht den transparenten Informationsfluss zwischen verschiedenen Ressourcen unterschiedlicher Anbieter, egal wo sich die Speicher und Server physisch oder virtuell befinden und unabhängig davon, wie sich die Business- und Compliance-Regeln (Basel II, Sarbanes-Oxley etc.) ändern. Der SNIA-Standard ist ein wesentlicher Garant dafür, dass eine ILM-Implementation auch wirklich halten kann, was sich die IT- und Business-Entscheidungsträger davon versprechen – nämlich die sichere und kontrollierte Verwaltung von digitalen Informationen über deren gesamte Lebensdauer hinweg.
Auf der Backup-Seite wiederum wirken die jüngsten De-Duplikations-Technologien der Expansion der unternehmensinternen «digitalen Universen» entgegen. Durch die drastische Verminderung unnötiger Duplikate und die Unterstützung kostengünstigerer Plattenspeicher zahlt sich De-Duplikation sowohl finanziell als auch platzmässig aus. Im Durchschnitt lassen sich damit die Informationsberge umd das 15- bis 20-fache reduzieren. Aber Daten müssen nicht nur sicher und kosteneffizient gespeichert werden, sondern auch so schnell wie möglich verfügbar sein. Diesbezüglich vollzieht sich in Gestalt von Flash-basierten Solid State Drives (SSD) gegenwärtig ein veritabler Paradigmawechsel. Mit SSD bestückte Speichersysteme sind rund zehn Mal schneller als herkömmliche Fibre-Channel-Disk-Arrays und verbrauchen zudem massiv weniger Strom. Trotz der von IDC prognostizierten digitalen Informationslawine lässt sich somit festhalten: Mit den aktuellen ILM-Methoden und Speicher-Techniken können Unternehmen sicherstellen, dass sie von ihr nicht erdrückt werden.
