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Digital Natives: Medienumgang nicht angeboren

Digital Natives: Medienumgang nicht angeboren

Die Einteilung der Menschen in "Digital Natives" und Digital "Immigrants" hat sich seit einiger Zeit zur allgemein anerkannten Klassifizierung entwickelt. Ob sich die heterogene Gruppe der Menschen mit digitaler Kompetenz wirklich anhand einer willkürlich gezogenen Jahrgangsgrenze vom Rest trennen lässt, ist aber umstritten.

"Es gibt unter jungen Menschen sehr wohl ein Bewusstsein und Kompetenzen für den Umgang mit neuen Medien. Das gilt aber nicht pauschal für eine ganze Generation. Der tägliche Umgang mit Facebook führt nicht zu Kompetenz. Der Umgang mit dem Netz ist eine Kulturtechnik, die von jedem interessierten Menschen gelernt werden kann, unabhängig vom Alter", sagt Blogger Oliver Gassner.

Der Begriff Digital Natives wurde geprägt, um die Generation, die mit neuen Kommunikationstechnologien aufgewachsen ist und den Umgang damit spielend erlernt hat, von älteren Menschen abzugrenzen, die sich Kompetenzen auf diesem Gebiet mühsam erarbeiten müssen. "Kinder nutzen Handy, Videospiele und Fernsehen parallel. Das ist aber keine Kompetenz, sondern Konsumverhalten. Das Verständnis, auch aus einer historischen Perspektive, fehlt vielen jungen Menschen. Sie sind wie Filmemacher, die nichts vom Stummfilm verstehen", sagt Gassner.

Auch die vielgerühmte technische Kompetenz der "Generation Internet" endet häufig mit dem Schliessen des Browserfensters. "Die sogenannten Digital Natives sind nicht mit Technologie, sondern mit Magie aufgewachsen. Sie sehen die Technik lediglich als Black Box. Natürlich gibt es Elfjährige, die Anwendungen Programmieren. Die sind aber nicht die Norm", erklärt Gassner. Kompetenzen im Umgang mit neuen Kommunikationstechniken müssen durch intensive Beschäftigung mit der Materie erworben werden. "Deshalb verwende ich gerne den Begriff 'Digital Residents'. Es gibt eine heterogene Gruppe von Leuten, die sich mit dem Internet beschäftigen. Auch Senioren können sich Gedanken machen und Kompetenzen erwerben", so Gassner.

Die Einteilung der Bevölkerung in Natives und Immigrants kann auch politisch instrumentalisiert werden. "Die Abgrenzungsrhetorik birgt Gefahren. So können Teile der Gesellschaft marginalisiert werden. Der Begriff Digital Natives wird gerne verwendet, weil er das Bild einer Gruppe heraufbeschwört, die man ignorieren oder auch als Feindbild missbrauchen kann. Das kann sich indirekt negativ auf die Internet-Gesetzgebung auswirken", sagt Gassner.

Älteren Personen dient der Begriff der Digital Natives oft als Entschuldigung dafür, sich nicht mit der neuen Technologie auseinandersetzen. "Viele der über 40- oder 50-Jährigen sind der Meinung, dass das Internet nur etwas für junge Menschen ist. Eigentlich sind sie aber nur zu faul, sich damit zu beschäftigen. Die Erfinder des Internets sterben schon langsam und die Leute, die das World Wide Web aufgebaut haben, gehen in Pension", sagt Gassner.