"Aus dem Bildungsbereich kommen die Geschäftskunden von morgen!"

Computacenter-CEO Massimiliano D`Auria (Bild: zVg)
Computacenter-CEO Massimiliano D`Auria (Bild: zVg)

Computacenter hat gestern den Gewinn einer Ausschreibung kommuniziert, der zufolge das Unternehmen an die Stadtschulen Zug sowie die Schulen von Cham und Steinhausen insgesamt 3200 neue Notebooks ausrollen wird. ICTkommunikation unterhielt sich über die Hintergründe dieses Grossauftrags mit Computacenter-CEO Massimiliano D`Auria.

Interview: Karlheinz Pichler

ICTkommunikation: Computacenter hat die Ausschreibung zur Belieferung der Stadtschulen Zugs mit 3200 Convertible-Notebooks und den damit zusammenhängenden Diensten gewonnen. Umfassen diese Dienste auch die Bereitstellung der notwendigen Software und Lizenzen? Was für Dienste sind in diesem DaaS-Auftrag konkret enthalten? Ist eine Komplettbetreuung der Nutzungsplätze mit eingeschlossen?

Massimiliano D`Auria: Zum Full-Service-Vertrag gehören insbesondere die Lieferung und Bereitstellung der Hardware, Basis-Installation, Garantieleistungen, Reparatur und Wartung. Unter Basis-Installation ist die Auslieferung der Geräte mit einem Master-Image zu verstehen, dieses Master-Image wird von der Informatik der Stadt Zug zur Verfügung gestellt. Die Lizenzierung von Applikationen ist kein Teil des Geschäfts. Wir reden hier über ein reines Device as a Service-Modell, ohne die typischen Merkmale eines Workplace as a Service.

ICTkommunikation: Es ist anzunehmen, dass Computacenter über die übernommene Pathworks den Zuschlag für dieses Projekt erhalten hat. War Pathworks schon davor Lieferant der Stadtzuger Schulen?

Massimiliano D`Auria: Die Annahme ist nachvollziehbar – aber nicht richtig. Die Ausschreibung der Stadtschulen Zug startete Ende Oktober 2018. Zu diesem Zeitpunkt begannen wir bei Pathworks mit der Due Diligence-Prüfung. Den Zuschlag für das DaaS-Geschäft mit den Stadtschulen Zug erhielt Computacenter Anfang März 2019; da hatten wir Pathworks bereits übernommen. Also, diese Ausschreibung und die Übernahme von Pathworks sind zwei voneinander unabhängige Themen. Was, im Nachhinein betrachtet, aber sicher genutzt hat, sind die Synergien, die sich aus der Übernahme ergeben haben. Pathworks hat seit über 18 Jahren Erfahrung im Hardware-Geschäft und ist stark im Segment der Öffentlichen Verwaltung und Bildung positioniert – diese Erfahrung hat natürlich geholfen. Eine Lieferanten-Beziehung zu den Stadtschulen Zug gab es vorher nicht.

ICTkommunikation: Rechnen Sie damit, dass dieser Auftrag Signalwirkung auch für andere Schulen haben wird?

Massimiliano D`Auria: Das ist durchaus wahrscheinlich. Im Rahmen des Lehrplans 21 wurde ja das Ziel definiert, Schüler und Lehrer mit mobilen Computern auszurüsten. Wie dieses Ziel im Einzelfall umgesetzt wird – und welche geschäftlichen Modelle dafür gewählt werden – ist eine andere Sache. Insbesondere im Bildungsbereich, bei einer flächendeckenden Versorgung von Studenten, Schülern und Lehrern mit mobilen Geräten, kann DaaS aber durchaus das sinnvolle Modell sein.

ICTkommunikation: Auf wieviele Jahre hinweg hat dieser Vertrag Gültigkeit?

Massimiliano D`Auria: Die definierte Mietdauer pro Gerät ist 48 Monate.

ICTkommunikation: Sind die Unternehmenskulturen von Computacenter und der erst kürzlich übernommenen Pathworks bereits aufeinander abgestimmt? Wie erfolgt die Synergienutzung?

Massimiliano D`Auria: Pathworks gehört erst seit ein paar Monaten zu Computacenter; so schnell lässt sich keine einheitliche Unternehmenskultur etablieren. Das ist aber kein Problem. Man merkt schon während einer Due Diligence, ob man zueinander passt. Die Unterschiede zu erkennen und das jeweils Beste herauszuholen, das ist eine spannende und zudem geschäftlich äussert sinnvolle Aufgabe. Wir lernen voneinander. Pathworks hat ein klares Profil, ist ein im Schweizer Markt bestens verankerter Hardware-Reseller und sehr stark im Segment der Öffentlichen Verwaltung und Bildung positioniert. Diese Akquisition hat eine Lücke im Portfolio von Computacenter geschlossen. Wir haben jetzt ein eigenes Produkthaus, was uns bei der Beschaffung von Hardware für unsere Kunden deutlich unabhängiger und damit flexibler macht. Das ist ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für einen IT-Generalunternehmer, wie wir es sind. Im Übrigen passt Pathworks schon deshalb gut zu Computacenter, weil das Produktgeschäft auch ein wichtiger Bestandteil der internationalen Computacenter-Gruppe ist.

ICTkommunikation: Welche Bedeutung hat dieses Projekt dann für Computacenter selber?

Massimiliano D`Auria: DaaS ist ein relativ junges Geschäftsmodell und rückt erst seit etwa zwei Jahren so richtig in den Fokus. Wir müssen damit unsere Erfahrungen machen. Die Schwierigkeit besteht ja weniger darin, die Hardware an sich zu liefern. Einen solchen Full-Service-Vertrag über seine gesamte Laufzeit zur Zufriedenheit des Kunden richtig zu managen – das ist die Herausforderung. Dafür sind wir, auch dank der Übernahme von Pathworks, richtig aufgestellt. Wir haben unser eigenes Produkthaus und eines der grössten und leistungsfähigsten Repair-Center in der Schweiz. Ausserdem ist Computacenter Schweiz Teil eines Konzerns – lokal flexibel wie ein KMU und trotzdem international agierend. Das Gesamtpaket stimmt.

ICTkommunikation: Glauben Sie, dass sich durch die Verbindungen von Pathworks auch für Computacenter selbst die Bereiche Education, Öffentliche Hand und KMUs zusätzlich öffnen werden?

Massimiliano D`Auria:Natürlich, das ist auch Teil unserer Strategie. Computacenter ist ein Generalunternehmer für die Konzeption, Planung und Bewirtschaftung der IT-Infrastruktur vor allem grosser und mittelgrosser Unternehmen. Wir hatten und haben auch Kunden in anderen Segmenten, aber nicht schwerpunktmässig. Pathworks ist auf den Öffentlichen Sektor spezialisiert, kennt sich mit genau solchen Ausschreibungen sehr gut aus und ist besonders stark an Schulen und Universitäten vertreten. Als Partner im Bildungsbereich bietet Pathworks Bildungsinstituten, ihren Mitarbeitenden, Schülern und Studierenden überzeugende Konditionen und Services. Für Computacenter ist das interessant, denn das sind die Geschäftskunden von morgen.

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