Mit rund 27,7 Prozent Marktanteil ist Netapp die Nummer eins im schweizerischen Enterprise-Storage-Markt und mit 33,1 Prozent ebenfalla im All-Flash-Array-Sektor. Wobei sich der US-Konzern mit Zentrale im kalifornischen San Jose sukzessive vom reinen Storage-Anbieter zum Experten für intelligent Dateninfrastruktu gewandelt hat. Im Interview mit ICTkommunikation gibt Daniel Bachofner, Country Manager Netapp Schweiz, Einblicke in die aktuellen strategischen Schwerpunkte des Konzerns mit besonderer Berücksichtigung des Schweizer Marktes.
Interview: Karlheinz Pichler
ICTkommunikation: Bei der "Insight" im vergangenen Oktober in Las Vegas unterstrich Netapp die Umpositionierung vom reinen Storage-Anbieter hin zu einem Experten für intelligente Dateninfrastruktur. Was bedeutet dieser Wandel für die Schweizer Kunden und wie nehmen die helvetischen Unternehmen diese Umpositionierung wahr?
Daniel Bachofner: Für unsere Schweizer Kunden bedeutet die Umpositionierung, die wir schon seit mehreren Jahren treiben, vor allem, dass wir den Fokus nicht nur auf Storage, sondern auf Datenmanagement über On-Premises und unterschiedliche Hybrid-Multi-Cloud-Umgebungen hinweg legen – mit dem Ziel, Daten je nach Bedarf dort bereitzustellen, wo sie gerade gebraucht werden – in der Cloud oder auch zurück lokal. Bei uns in der Schweiz wird das vor allem über die Themen Datenmobilität, Datenschutz und hybride Szenarien greifbar: Kunden fragen sowohl nach Cloud-Moves als auch nach Rückführung von Daten ins eigene Haus, unter anderem aus Datenschutz, Compliance oder einfach Daten-Übersichts-Gründen. Wir bei Netapp beschreiben "Intelligent Data Infrastructure" als Ansatz, Daten für jede Applikation und überall optimiert, gesichert und geschützt durch eine intelligente Plattform zu managen. Unser Ansatz ist, dass der Kunde entscheidet, wo seine Daten liegen sollen, je nach Anwendungsfall und Bedarf – und wir begleiten ihn in beide Richtungen.
ICTkommunikation: Bei besagter Konferenz wurden eine Reihe neuer Produkte wie beispielsweise Netapp AFX (Disaggregated All-Flash Storage) oder Netapp AI Data Engine (AIDE). Wie steht es mit der Verfügbarkeit, Akzeptanz und Anwendung dieser Lösungen jetzt, ein halbes Jahr später?
Daniel Bachofner: Wir positionieren die Netapp AFX als "disaggregated All-Flash Storage" für anspruchsvolle KI-Workloads. Zusätzlich bieten wir die AI Data Engine (AIDE) als KI-Datenservice zur Vereinfachung und Absicherung der KI-Datenpipelines. Diese ist ein sicherer, einheitlicher KI-Daten-Plattform-Stack, die wir gemeinsam mit Nvidia entwickelt haben. Sie ist in das Nvidia AI Data Platform Referenzddesign integriert und unterstützt die neuesten Nvidia-Innovationen, die auf der GTC (GPU Technology Conference) angekündigt wurden. Aktuell arbeiten bereits die ersten Kunden mit Netapp AFX und das Feedback ist durch die Bank positiv. Besonders geschätzt werden die starken Reports und die umfangreichen Erweiterungen. Auch die Netapp AIDE wird bereits von ersten Kunden getestet.
ICTkommunikation: In Bezug auf die Public Cloud ist die Schweiz, nicht zuletzt aufgrund von Regulierung und Datenschutz, häufig konservativ. Wie löst Netapp Schweiz den Spagat zwischen strengen Schweizer Datenschutzanforderungen und dem Wunsch nach Cloud-Flexibilität?
Daniel Bachofner: Wir von Netapp lösen diesen Spagat in der Schweiz, indem wir Datensouveränität nicht als "Alles On-Prem“ oder "alles Public Cloud“ verstehen, sondern als Spektrum zwischen Wahlfreiheit und Datenmobilität – bei dem je nach Datenklasse und Use Case die passende Balance gewählt wird: Besonders schützenswerte oder regulatorisch kritische Daten bleiben dort, wo Kontrolle, Standortvorgaben und Nachweisbarkeit am höchsten sind (typischerweise lokal oder in einem stark kontrollierten Setup), während weniger kritische Workloads gezielt von der Skalierbarkeit und Agilität der Cloud profitieren. Entscheidend ist dabei eine Dateninfrastruktur mit Governance, Transparenz-Tools und Richtlinien, die Datenflüsse nachvollziehbar macht. Ihre Aufgabe: Grenzübertritte verhindern, Compliance über verschiedene Regelwerke hinweg unterstützen und den gesamten Datenlebenszyklus inklusive sicherer Löschung abdecken. Unternehmen, die nach dem Prinzip "so viel Souveränität wie nötig, so wenig Einschränkung wie möglich“ arbeiten, schaffen es, Regulierung einzuhalten, ohne Innovation und Wachstum zu bremsen.
ICTkommunikation: Was ist das spezifische Rezept von Netapp für den Schweizer Markt, um sich von Wettbewerbern wie beispielsweise Everpure, wie sich Pure Storage neuerdings nennt, abzuheben?
Daniel Bachofner: Wir definieren uns nicht über den Wettbewerb. Wir sind in der Schweiz seit Jahren sehr stark aufgestellt. Laut den Marktforschern von IDC ist Netapp den Q4 CY25 Enterprise Storage Angaben nach in der Schweiz im Bereich Storage Marktführer mit 27,7 Prozent Marktanteil und ebenfalls die Nummer 1 im All Flash Array Bereich mit 33,1 Prozent. Und unser Differenzierungsmerkmal ist aus meiner Sicht: Wir sind nicht nur "ein Storage-System“, sondern wir adressieren die Kundenthemen rund um Datenmanagement, Schutz und Platzierung – und zwar hybrid. Dazu kommen die Partnerschaften mit den Hyperscalern (Google, Microsoft, AWS), über die wir Kunden in ihren Cloud-Strategien konkret begleiten können. Ausserdem arbeiten viele lokale Service Provider in der Schweiz mit unseren Lösungen.
ICTkommunikation: GenAI hin oder GenAI her, die beste KI nützt nichts ohne korrekte Daten. Wie unterstützt Netapp Schweizer Unternehmen dabei, ihre Daten 'AI-ready' zu machen?
Daniel Bachofner: Ich bin überzeugt und unsere Erfahrung in den letzten Jahren bestätigt dies: Die wichtigste Voraussetzung ist, dass der Kunde zuerst seinen Use Case sauber definiert. Unternehmen müssen sich überlegen: Was will ich mit künstlicher Intelligenz erreichen? Was sind mögliche Hindernisse? Welche Daten brauche ich in welcher Form und Qualität? Und wo dürfen diese Daten liegen? Wir unterstützen dann auf Infrastruktur-Ebene. Konkret bieten wir auch beim Thema Datenqualität und Datenordnung Support mit unseren Applikationen, mit denen wir Kundendaten klassifizieren können – auch über Netapp-Storage hinaus. Wir können zum Beispiel doppelte Daten identifizieren, sehen, welche Daten seit wann nicht mehr genutzt wurden, und Empfehlungen geben, welche Daten idealerweise auf welchen Medien gespeichert werden sollten. Das Ziel ist, dass der Kunde seine Datenbasis besser versteht und damit überhaupt erst sinnvoll KI-Anwendungen darauf aufbauen kann.
ICTkommunikation: Im Rahmen der Insight vergangenen Oktober verkündete Netapp auch eine enge Partnerschaft mit Nvidia. Gibt es da schon konkrete Use-Cases, die auch für die Schweiz relevant sind? - Etwa in der Pharma- oder Finanzbranche?
Daniel Bachofner: Netapp bietet aktuell Referenzarchitekturen wie AIPod mit Nvidia DGX Systems, um AI/ML-Infrastrukturen schneller und planbarer aufzusetzen. Ganz aktuell haben wir ausserdem die Kooperation mit Nvidia nochmal mit der Netapp AI Data Engine (AIDE) ausgebaut, damit unsere Kunden Hindernisse für Innovation mit KI beseitigen können. AIDE ist ein gemeinsam entwickelter, sicherer, einheitlicher KI-Daten-Plattform-Stack, der in das Nvidia AI Data Platform Referenzdesign integriert wurde. Er unterstützt Unternehmen dabei, Daten aufzufinden und zu nutzen durch einen automatisch erstellten und kontinuierlich aktualisierten globalen Metadatenkatalog mit leistungsstarken Suchfunktionen. Gerade in der Pharmabranche können so grosse Vorteile erzielt werden, wie die Beschleunigung der Arzneimittelentwicklung, verbessertes Risikomanagement, individuellere Betreuung der Patienten und auch ein vereinfachter externer Zugang zu Informationen. Und einige unserer Early-Access-Kunden profitieren bereits heute genau davon.
ICTkommunikation: Die IT-Infrastruktur verbraucht enorm viel an Energie. Inwiefern kann Netapp den Schweizer Anwenderunternehmen durch entsprechendes Data Management unter die Arme greifen, um ihren CO2-Fussabdruck zu reduzieren und ESG-Ziele (Environmental, Social, Governance) zu erreichen?
Daniel Bachofner: Wir können unsere Schweizer Anwenderunternehmen vor allem über konsequentes Data Management unterstützen, weil ein grosser Teil des Energie- und damit CO2-Verbrauchs, bereits durch das Speichern und Bewegen ständig wachsender Datenmengen entsteht. Heute erhöht generative KI nochmals massiv den Ressourcenbedarf von Rechenzentren (Strom und Kühlung/Wasser). Der Hebel liegt also darin, den Daten-Fussabdruck transparent zu machen und die Datenbasis zu "verschlanken“. Das heisst, ungenutzte oder redundante Daten identifizieren (ein grosser Teil der gespeicherten Daten wird nicht mehr genutzt), Daten systematisch bereinigen und über den Lebenszyklus steuern. Zudem sollte Datenqualität vor Datenmenge priorisiert werden, damit KI-Projekte mit kuratierten, zielgerichteten Datensätzen effizienter laufen und weniger Infrastruktur "verheizen“. Ergänzend hilft eine adaptive, bedarfsgerechte Infrastruktur, um Energieverbrauch und Kosten zu senken. Diese schafft zugleich belastbare Grundlagen für ESG-Reportings und Zielsysteme wie CSRD-orientierte Transparenzanforderungen oder messbare Reduktionspfade wie SBTi, weil Nachhaltigkeit damit operationalisiert und nachweisbar wird.
ICTkommunikation: Zu den grössten Bedrohungen für Schweizer Unternehmen zählen Ransomware-Attacken. Welche Rolle kann Storage bei der Cyber-Resilienz grundsätzlich spielen und wie unterscheidet sich diesbezüglich Netapp von anderen?
Daniel Bachofner: Security-Funktionen werden zum Standard moderner Storage-Plattformen. Der einfache Grund: Manche Schutzmechanismen müssen so nah wie möglich an den Daten liegen, wie zum Beispiel unveränderliche Snapshot-Kopien, schnelle Workload-konsistente Recovery oder Air-Gap-Konzepte. Das gilt ebenso für die Erkennung von Ransomware-Angriffen und den Schutz vor Datenabfluss (Data Leakage Prevention). Genau hier spielt intelligenter Storage seine Stärken aus. NetApp adressiert das etwa mit integrierten, Ransomware-resilienten Backup- und Recovery-Mechanismen, Autonomous Ransomware Protection sowie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Unveränderlichkeit und einer zentralen 3-2-1-Umsetzung – alles auf dem Storage-Layer, ohne zusätzliche Partnerwerkzeuge.
ICTkommunikation: In der Schweiz ist das Partner-Netzwerk ein entscheidender Faktor. Wie entwickeln Sie die Channel-Strategie weiter, um den Fokus auf Cloud-Dienste zu festigen?
Daniel Bachofner: Was ich klar sagen kann: Nichts läuft ohne den Schweizer Channel. Die Channel-Strategie ist ganz fest in der DNA bei Netapp verankert – unser Go-to-Market ist indirekt. Wir begleiten unsere Partner bei Projekten nach Absprache von Anfang bis Ende, sprich, wo die Partner uns brauchen, bieten wir Unterstützung, orchestrieren zu Spezialisten oder eskalieren, wenn mehr Support nötig sein sollte. Wir unterstützen unsere Partner strategisch und bieten Sales-, SE-, PS- und Marketing-Support an. Wir beraten hier individuell und kombinieren Massnahmen für unsere Partner. Kommerziell verfügen wir zusätzlich über einen sehr attraktiven Incentive-Katalog. Aktuell bieten wir ausserdem branchenweit extrem attraktive Rabatt-Prozente für Neukundengewinnung und die Ablösung von Workloads.
ICTkommunikation: Sie haben Netapp im Jahre 2013 verlassen und sind 2018 in den Konzern zurückgekehrt. Wie hat sich die Kultur und das Geschäft in dieser Zeit verändert?
Daniel Bachofner: Geschäftlich hat sich aus meiner Sicht vor allem verändert, dass wir den Weg mit den Hyperscaler- und Cloud-Provider-Lösungen viel konsequenter aufgebaut haben – also die Basis, damit Kunden ihre Daten auch in der Cloud auf Netapp-Technologie speichern und hybrid flexibel bewegen können. Ausserdem habe ich erst durch meinen zwischenzeitlichen Wechsel erkannt, wie stark das Thema Datenmanagement in der DNA von Netapp verankert ist und schon immer war. Die Ausprägung hat sich vielleicht verändert, aber der Fokus, Kundendaten zu managen, zu schützen und am richtigen Ort abzulegen, ist konstant geblieben.
Zur Person:
Daniel Bachofner ist seit Mai 2020 Schweizer Country Manager von Netapp. In den zwei Jahren davor verantwortete er das Grosskundengeschäft von Netapp in der Schweiz; in dieser Funktion trug er massgeblich zum lokalen Wachstum bei. Bachofner ist 49 Jahre alt und hält ein Advanced Degree in Economics der IFKS School of Commerce in Bern.

