Die US-amerikanische Netzwerkausrüsterin Cisco hat gemeinsam mit der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) im Rahmen des "Digital Well-being Hub" die Auswirkungen von KI auf das Leben der Menschen untersucht. Neue Daten aus dem Hub zeigen, dass sich hinter den Schlagzeilen über die jugendliche Begeisterung für KI geografische und generationelle Unterschiede abzeichnen, die beeinflussen, wer von KI profitiert, wer die Risiken trägt und wie das digitale Leben das Wohlbefinden beeinflussen kann.
Laut der aktuellen Forschung sind junge Erwachsene weltweit leidenschaftliche Konsumenten digitaler Inhalte: Unter 35-Jährige zeigen die höchste Nutzung von sozialen Medien, Online-Geräten und aktiver Nutzung von generativer KI. Die wahren Spitzenreiter sind jedoch Menschen in Schwellenländern, insbesondere in Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika. Sie führen die globale KI-Nutzung mit den höchsten Nutzungsraten, dem grössten Vertrauen und der aktivsten Teilnahme an KI-Schulungen an. Im Gegensatz dazu zeigen Befragte in europäischen Ländern weniger Vertrauen und mehr Unsicherheit im Umgang mit KI. Dies stellt eine Abkehr von historischen Trends dar, bei denen Schwellenländer typischerweise langsamer Zugang zu neuen Technologien hatten.
Allerdings berichten dieselben Bevölkerungsgruppen in Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika auch von der höchsten Freizeit-Bildschirmzeit, der grössten Abhängigkeit von rein digitaler Sozialisation und den ausgeprägtesten emotionalen Höhen und Tiefen durch Technologie im Vergleich zu Befragten in anderen Ländern. Die Forschung zeigt zudem, dass weltweit mehr als fünf Stunden tägliche Freizeit-Bildschirmzeit mit einem verringerten Wohlbefinden und einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden sind. Auch wenn Korrelation keine Kausalität bedeutet, ist klar: Man muss sich auf das digitale Wohlbefinden konzentrieren, damit technologische Fortschritte nicht auf Kosten von Gesundheit und Glück gehen.
"Schwellenländer mit KI-Fähigkeiten auszustatten, bedeutet nicht nur Technologie, sondern das Potenzial jedes Einzelnen freizusetzen, die eigene Zukunft zu gestalten. Mit der schnellen Integration von KI in unser tägliches Leben und unsere Arbeitsplätze müssen wir sicherstellen, dass diese Werkzeuge verantwortungsvoll gestaltet sind – mit Transparenz, Fairness und Datenschutz im Kern. Das grösste Potenzial von KI kann dann realisiert werden, wenn sie das Wohlbefinden steigert, indem sie Aufgaben vereinfacht, Zusammenarbeit verbessert und Chancen für Wachstum und Lernen schafft. Wenn Technologie, Menschen und Zweck zusammenkommen, schaffen wir die Voraussetzungen für widerstandsfähige, gesunde und florierende Gemeinschaften überall", sagte Guy Diedrich, Senior Vice President und Global Innovation Officer bei Cisco.
Die Generationsunterschiede sind gemäss der Untersuchung ebenso deutlich und spiegeln bestehende Trends der Digitalisierung wider. Jüngere Erwachsene weltweit berichten demnach, dass der Grossteil oder sogar alle ihre sozialen Interaktionen online stattfinden, und sie äussern grösseres Vertrauen in den Nutzen von KI. Mehr als 50 Prozent der unter 35-Jährigen nutzen demnach aktiv KI, über 75 Prozent halten sie für nützlich, und fast die Hälfte der 26- bis 35-Jährigen hat bereits eine Schulung abgeschlossen.
Im Gegensatz dazu sehen Erwachsene über 45 Jahre KI weniger als nützlich an, und mehr als die Hälfte nutzt sie überhaupt nicht. Unter den über 55-Jährigen geben viele an, dass sie "nicht wissen", ob sie KI vertrauen – was darauf hindeutet, dass ihre Unsicherheit eher auf mangelnde Vertrautheit als auf Ablehnung zurückzuführen ist. Diese Vertrautheitslücke spiegelt sich auch in unterschiedlichen Erwartungen an die Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze wider: Unter-35-Jährige und Menschen in Schwellenländern erwarten die grössten Veränderungen.
"Generationsunterschiede bei der digitalen und KI-Nutzung sind nicht unvermeidlich – sie sind Herausforderungen, die wir alle durch gezielte Massnahmen angehen können. Während jüngere Generationen neue Technologien bereitwillig annehmen, bringen Menschen aller Altersgruppen ihre eigenen einzigartigen und wertvollen Erfahrungen und Erkenntnisse ein", betont Diedrich.
Über den Digital Well-being Hub:
Im Jahr 2024 starteten Cisco und die OECD eine gemeinsame Initiative, die auf dem OECD Well-being Framework basiert. Sie zeigt bestehende sowie neue OECD-Daten und untersucht die Komplexität der digitalen Transformation. Der Digital Well-being Hub verfügt auch über eine interaktive Plattform, auf der neue Statistiken und Erkenntnisse zum digitalen Wohlbefinden gesammelt werden. Dazu zählen die Auswirkungen der digitalen Kluft und Ungleichheiten bei der Einführung und Nutzung digitaler Technologien.
