Symbolbild: Fotolia/Birgit Korber

Die Europäische Union investiert massiv in die digitale Sicherheit – allein im aktuellen Haushalt stehen rund 1,4 Milliarden Euro für den Cyberschutz bereit. Doch ein neuer Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs (EuRH) legt nun eine schwerwiegende Schwachstelle offen: Die Mitgliedstaaten teilen wichtige Informationen über Cyberangriffe oft gar nicht oder viel zu spät. Dieser mangelnde Datenaustausch erweist sich zunehmend als die Achillesferse der gemeinsamen europäischen Verteidigung.

Wie folgenschwer diese Blockade ist, zeigte sich bei einer grossflächigen Ransomware-Attacke auf einen IT-Dienstleister der Luftfahrtindustrie. Obwohl der Vorfall den Betrieb an zentralen europäischen Grossflughäfen wie Berlin, Brüssel und Dublin erheblich einschränkte, meldeten die betroffenen Staaten den Angriff weder der EU-Cybersicherheitsagentur Enisa noch den anderen Mitgliedsländern. Wertvolle Zeit und das Potenzial für eine koordinierte Gegenwehr blieben ungenutzt.

Die Gründe für das Schweigen sind vielschichtig. So stufen etwa viele Staaten Vorfälle lieber als Verschlusssache ein, anstatt sie zu teilen. Zudem bremsen nationale Rechtsvorschriften den grenzüberschreitenden Informationsfluss. Auch ist ein echtes EU-weites Frühwarnsystem in Echtzeit wegen Verzögerungen bei der Beschaffung noch immer nicht einsatzbereit.

Während kriminelle und staatlich gelenkte Hackergruppen – oft geopolitisch motiviert und durch künstliche Intelligenz hochgerüstet – immer professioneller agieren, verharrt die europäische Abwehr in der Fragmentierung. Wenn Europa im digitalen Raum nicht abgehängt und verwundbar bleiben will, müsse das Prinzip gelten: Informationen teilen ist der erste Schritt zur Verteidigung. Nationale Alleingänge helfen im Ernstfall nur den Angreifern, so das Resümee im Sonderbericht des euopäischen Rechnungshofes.