Symbolbild: Pixabay/The Digital Artist

Cyberangriffe werden immer häufiger automatisiert durchgeführt und AI-Frontier-Modelle wie Claude Mythos verändern die Arbeitsteilung zwischen KI und Mensch grundlegend. Was das für den Arbeitsmarkt im Bereich Cybersicherheit bedeutet, beleuchtet der neueste Report des AI Workforce Consortiums "AI Agents and the Impact on Cybersecurity". Das Gesamtfazit:Aufgrund des Wandels durch KI benötigen Cybersecurity-Fachkräfte mehr als nur technische Skills. Kritisches Denken für die grundsätzliche Reflexion von KI-Ergebnissen ist nun gefragt. Damit verändern sich auch die Anforderungen an Kompetenzprofile. Das zeigt sich etwa im Berufseinstieg: In einer weiteren Cisco-Studie sagen 51 Prozent der Schweizer IT-Entscheider, dass beim Cybernachwuchs vor allem KI-Kompetenz fehlt.

Gemäss dem Report des AI Workforce Consortiums wächst der Bedarf an Cybersecurity-Personal weltweit jährlich um rund zehn Prozent. Dabei sucht die Branche händeringend nach Fachkräften mit Kompetenzen, die diese Lücke füllen. Dafür müssen Cybersecurity-Fachkräfte heute KI-gestützte Werkzeuge verstehen, mit autonomen Systemen arbeiten und Ergebnisse kritisch prüfen können.

Diese tiefgreifenden Veränderungen der Cybersicherheitslage durch KI sowie der Mangel an qualifiziertem Personal eröffnen laut Report eine echte Chance für Fachkräfte, sich zu positionieren. So müssten MitarbeiterInnen heute seltener selbst Modelle entwickeln, sondern diese stärker steuern und prüfen, heisst es. Entsprechend benötigten MitarbeiterInnen der globalen Untersuchung zufolge mehr ethisches Urteilsvermögen (+533 Prozent im Jahresvergleich), systemisches Denken (+251 Prozent im Jahresvergleich) und Fähigkeiten im Stakeholder-Management (+125 Prozent im Jahresvergleich). Zudem habe sich die Zahl der Stellenausschreibungen für Cybersicherheit, die KI-Kompetenzen erwarten, laut dem Report weltweit im Jahresvergleich verdoppelt. Gerade Fachkräfte könnten in dieser Situation ihre Karrierechancen verbessern.

Dies erfordere jedoch auch ein Umdenken, wie die nächste Generation ausgebildet werde. Denn Cybersecurity-Nachwuchskräfte stünden in diesem Kontext unter erheblichem Druck: Laut der Erhebung des AI Workforce Consortium stieg im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 die Zahl der Ausschreibungen für Positionen mit Senior-Titel um 65 Prozent. Demgegenüber steht ein Wachstum von lediglich 5,9 Prozent bei Junior-Stellen. Diese Entwicklung entstehe vor allem, weil herkömmliche Einstiegsqualifikationen für die sich rasant wandelnden Anforderungen moderner Sicherheitsteams nicht mehr ausreichten und viele Routinetätigkeiten von KI übernommen würden.

"Wie wir die nächste Generation von Cybersecurity-Fachkräften ausbilden, entscheidet mit darüber, wie resilient die Schweizer Wirtschaft im KI-Zeitalter ist", betont Christopher Tighe, General Manager Cisco Schweiz. "Damit Technologie wirklich Sicherheit schaffen kann, müssen wir in die Menschen investieren, die sie steuern. Genau darin liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil."

Dies bestätigt auch eine weitere Cisco-Studie unter weltweit 8.000 Führungskräften und Fachleuten aus dem Bereich Cybersicherheit (davon gut 200 aus der Schweiz), die im Oktober veröffentlicht wird. Auf die Frage, welche Kompetenzen sich bei Einsteiger:innen am schwersten finden lassen, nannten Sicherheitsverantwortliche aus der Schweiz insbesondere die praktische Erfahrung mit KI-Agenten (51 Prozent), vor fehlender technischer Tiefe (42 Prozent) sowie Skills wie kritisches Denken (39 Prozent). Gleichzeitig sagen 39 Prozent der Schweizer IT-Entscheider, dass im Bereich Security vor allem in die KI-gestützte Automatisierung von Cybersecurity-Lösungen investiert werden soll – der höchste Wert unter den in der Schweiz abgefragten Investitionsfeldern im Fragenkomplex "Investitionen in Cybersecurity". Junior-Positionen haben es damit doppelt schwer.

"KI-gestützte Automatisierung unterstützt, vereinfacht und erweitert, was Security-Expert:innen leisten können. Ihr volles Potenzial entfaltet sie aber erst durch Menschen, die sie kompetent steuern und kontrollieren", so Tighe. "Als Wirtschaftsstandort müssen wir deshalb genauso konsequent in Ausbildung und Weiterbildung investieren, wie in die Technologie selbst", ergänzt er. Zusätzlich sollten Student:innen über Praktika, Ausbildungsplätze und geförderte Projekte schon vor ihrem Berufseinstieg praktische Erfahrungen sammeln. Und nicht zuletzt brauche es bei der Personalauswahl einen Perspektivenwechsel: weg von der einseitigen Orientierung an Berufserfahrung, hin zu einer kompetenzbasierten und vorausschauenden Betrachtung der Potenziale, so der Cisco-Schweiz-Chef.

Grafik: AI Workforce Consortium
Grafik: AI Workforce Consortium
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Grafik: AI Workforce Consortium
Grafik: AI Workforce Consortium
Christopher Tighe, General Manager Cisco Schweiz (Foto: zVg)
Christopher Tighe, General Manager Cisco Schweiz (Foto: zVg)