Die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom) hat die Neuvergabe der Schweizer Mobilfunkfrequenzen offiziell eröffnet. Ab dem ersten Quartal 2029 laufen wichtige Frequenzlizenzen aus, weshalb die Telekom-Anbieter im kommenden Jahr tief in die Tasche greifen müssen. Das Bieterrennen startet bei einem stolzen Mindestpreis von 854,7 Millionen Franken.
Wer in der Schweiz mit dem Smartphone im Internet surft oder telefoniert, nutzt unsichtbare, aber streng regulierte Autobahnen: die Mobilfunkfrequenzen. Da diese Frequenzen ein knappes öffentliches Gut darstellen, vergibt der Bund die Nutzungsrechte in regelmässigen Abständen neu. Mit der Publikation im Bundesblatt hat die Comcom nun den offiziellen Startschuss für die Vergabe der Frequenzen ab 2029 gegeben.
Konkret geht es um die Bänder in den Bereichen 800 MHz, 900 MHz, 1800 MHz, 2100 MHz und 2600 MHz. Diese machen gut die Hälfte des heute in der Schweiz genutzten Frequenzspektrums aus. Die aktuellen Lizenzen – die im Jahr 2012 versteigert wurden – laufen am 31. Dezember 2028 aus.Die neuen Konzessionen werden für eine Dauer von 15 Jahren (bis Ende 2043) vergeben. Sie bieten den Betreibern langfristige Planungssicherheit für den Netzausbau. Die Zuteilung erfolgt technologieneutral, was bedeutet, dass die Anbieter frei entscheiden können, ob sie die Frequenzen für 4G, 5G oder künftige Standards nutzen.
Für die drei etablierten Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt steht viel auf dem Spiel. Wer im Vergabeverfahren leer ausgeht, verliert essenzielle Kapazitäten für sein Netz. Dass die Versteigerung kein Schnäppchen wird, hat die Comcom bereits klargestellt: Der Gesamtmindestpreis für alle Blöcke wurde auf 854,7 Millionen Franken festgelegt. Insbesondere bei den reichweitenstarken Tiefen- und Mittelfrequenzen hat der Regulator die Einstiegspreise im Vergleich zu früheren Auktionen teils verdoppelt oder verdreifacht.
Aus den Reihen der Anbieter regt sich bereits Widerstand. Ein Sprecher von Sunrise kritisierte das Mindestgebot als viel zu hoch und warnte, dass diese Millionen in der Bundeskasse landen, anstatt in den dringend nötigen Netzausbau fliessen zu können. Swisscom wiederum gab zu Protokoll, man hätte eine einfache Verlängerung der bestehenden Lizenzen bevorzugt.
Theoretisch steht das Verfahren allen interessierten Unternehmen offen. Wer mitbieten will, muss bis zum 3. Dezember ein Bewerbungsdossier einreichen. Doch Comcom-Präsident Martin Bürki dämpfte die Erwartungen an einen neuen, vierten Player auf dem Markt. Die Hürden seien enorm: Allein der Aufbau eines eigenen physischen Netzes mit der geforderten Abdeckung von 50 Prozent der Bevölkerung würde schätzungsweise eine halbe Milliarde Franken kosten – die Erlangung von schwer umkämpften Antennenstandorten in Städten noch gar nicht mitgerechnet.
Wie das Verfahren weitergeht:
-- 3. Dezember: Ende der Bewerbungsfrist für die Teilnahme am Vergabeverfahren.
-- 2. Quartal 2027: Voraussichtliche Durchführung der Auktion. Das bewährte zweistufige Auktionsverfahren (Zuteilung der Mengen, danach verdeckte Gebote für die genaue Lage im Frequenzband) soll einen fairen Wettbewerb garantieren und verhindern, dass ein einzelner Anbieter den Markt dominiert.
-- 1. Januar 2029: Inkrafttreten der neuen, 15-jährigen Konzessionen.
Für die Konsumenten in der Schweiz ändert sich vorerst nichts. Das erklärte Ziel der Comcom ist es laut Mitteilung, durch den Milliardenpoker den bestehenden, funktionierenden Wettbewerb zu sichern und eine weiterhin lückenlose Mobilfunkversorgung auf Top-Niveau zu gewährleisten.
