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Das Experiment der ETH Zürich am Züri Fäscht war ein mords Erfolg. Nicht nur haben über 54.000 Personen die App heruntergeladen, sondern – was für das Forschungsprojekt noch wichtiger ist – rund 27.000 User haben die App während des Fests aktiv genutzt und so mit ihren Lokationsdaten das Forschungsprojekt unterstützt.

In nur drei Tagen sammelte die ETH-Forschungsgruppe über 23 Millionen GPS-Punkte. Das scheint rekordverdächtig: Vermutlich war der Forschung zur Modellierung von «Crowd Behavior» noch nie ein so umfangreicher und komplexer Datensatz zugänglich wie jetzt nach dem Züri Fäscht.

Trotz der unerwartet – die Forscher hatten mit maximal der Hälfte gerechnet – hohen Teilnehmerzahl gab es keine technischen Schwierigkeiten bei den sechs eingesetzten Servern. «Wir waren uns bewusst, dass der Erfolg des Forschungsprojekts auch von der Stabilität der Infrastruktur abhängt und sind natürlich erfreut, dass diese über drei Tage hinweg einwandfrei funktioniert hat», sagt Projektleiter Ulf Blanke vom Wearable Computing Lab. Die Mobilfunk-Netze stiessen zu den Spitzenzeiten – zum Beispiel während des Feuerwerks am Samstagabend – an ihre Grenzen. Eine Tatsache, die sich kaum vermeiden lässt, die aber aus Sicht von Blanke für das Forschungsprojekt keine grosse Rolle spielt: «Wir können die Belastung erkennen und das bei der Auswertung in Zukunft automatisch kalibrieren.»

Mit den Daten konnten sogenannte Heatmaps erstellt werden, die zeigen, wo sich zu einem bestimmten Zeitpunkt besonders viele Personen aufgehalten haben. Die von den Forschern errechneten Heatmaps stimmen ausserordentlich gut mit den Erfahrungen vor Ort und den erstellten Kamerabildern überein. Blanke sass während des Züri Fäschts in der Einsatzzentrale der Stadtpolizei. Bei der Live-Nutzung zeigte sich, dass ein Bruchteil der Besucher ausreicht, um Hotspots zu identifizieren, bei denen Menschen stehenbleiben, ein Hindernis bilden und so für Verdichtung sorgen. Marco Bisa von der Stadtpolizei zieht eine positive Bilanz:« Es ist erfreulich, dass die ETH Zürich so umfangreiche Daten sammeln konnte. Die Stadtpolizei wird die Ergebnisse in ihre Nachbereitung miteinbeziehen, damit noch mehr für die Sicherheit bei Grossanlässen unternommen werden kann.»

Die Forscher möchten in einem nächsten Schritt vom einzelnen Standbild wegkommen und ganze Bewegungsströme modellieren. Blanke blickt bereits in die Zukunft: «Ich könnte mir vorstellen, dass wir bei einer so guten Datenlage irgendwann sogar Prognosen erstellen können, wie sich ein Menschenstrom in den nächsten zehn Minuten bewegt. Allerdings ist dafür noch viel Grundlagenforschung nötig.»

Die detaillierte Auswertung der komplexen Daten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Erste Resultate stellen die ETH-Forscher vom Wearable Computing Lab an der Scientifica anfangs September vor. Nach dem grossen Erfolg am Züri Fäscht möchten die Forscher das Projekt nach Möglichkeit fortführen. Bereits haben die Organisatoren vom Albanifest in Winterthur ihr Interesse bekundet. Wer das Forschungsprojekt übrigens weiterverfolgen möchte, kann sich unter support-zf-app@ife.ee.ethz.ch anmelden.



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